Bewertung immaterieller Vermögenswerte

Immaterielle Vermögenswerte Standards sind in Leistungserstellungsprozessen eingesetzte nicht finanzielle wirtschaftliche Güter, deren Substanz nicht körperlich wahrnehmbar ist, vgl. IDW Standard S 5. In Frage kommen:

  • Technologieorientierte immaterielle Wirtschaftsgüter wie patentierte oder nicht patentierte Technologien, Geschäftsgeheimnisse, Software, etc..
  • Marketingbezogene immaterielle Vermögenswerte wie Handelsmarken, eingetragene Marken, Symbole, Internet-Domains, etc..
  • Kundenorientierte immaterielle Vermögenswerte wie Kundenlisten, Auftragsbestände, Kundenverträge und damit verbundene Kundenbeziehungen, etc..
  • Auf sonstigen vorteilhaften Verträgen oder Rechten basierende immaterielle Vermögenswerte wie Lizenzen, Werbe-, Konstruktions-, Management-, Service- oder Versorgungsverträge, Franchisevereinbarungen, etc..

Bewertungsanlässe

Beim Erwerb oder der Veräußerung von immateriellen Werten oder Unternehmen bzw. Unternehmensteilen, deren Werthaltigkeit wesentlich durch immaterielle Werte begründet ist, bildet deren Bewertung die Grundlage zur Kaufpreisfindung zwischen den beteiligten Parteien. Dabei ist zwischen der Bewertung des Vermögenswerts für Transaktionszwecke im Rahmen eines ordentlichen Geschäftsgangs (going concern) und der Bewertung unter der Annahme der Zerschlagung des Unternehmens (Liquidation) zu unterscheiden.

Daneben erfolgen Bewertungen von immateriellen Werten im Rahmen der Rechnungslegung und steuerlichen Vorschriften.

Funktionen des Wirtschaftsprüfer

Der Wirtschaftsprüfer kann in der Funktion eines unabhängigen Sachverständigen, Beraters, Schiedsgutachters oder Abschlussprüfers tätig werden.

Als unabhängiger Sachverständiger ermittelt der Wirtschaftsprüfer aus der Perspektive eines fremden Dritten mit nachvollziehbarer Methodik einen typisierten Wert für den betreffenden immateriellen Vermögenswert.

In der Funktion des Schiedsgutachters ermittelt der Wirtschaftsprüfer einen Einigungswert, den er in einer Konfliktsituation unter Berücksichtigung der verschiedenen subjektiven Wertvorstellungen der beteiligten Parteien feststellt oder als Vermittler vorschlägt.

Als Abschlussprüfer hat der Wirtschaftsprüfer insbesondere nachzuvollziehen, ob im Rahmen einer vorliegenden Bewertung ein dem Bewertungsanlass entsprechendes Bewertungsverfahren sachgerecht ausgewählt wurde.

Bewertungsmethoden

Marktpreisorientiertes Verfahren

Ist nach Maßgabe eines bestimmten Bewertungsanlasses vorrangig ein Marktpreis zur Bewertung eines Vermögenswerts heranzuziehen, so kann dies i.d.R. nur erfolgen, soweit sich die beobachteten Marktpreise auf hinreichend vergleichbare Vermögenswerte beziehen. Ferner muss es sich um einen aktiven Markt handeln.

Immaterielle Vermögenswerte werden regelmäßig nicht auf aktiven Märkten gehandelt. Gegebenenfalls können vergleichbare Transaktionen zur Bewertung eines immateriellen Vermögenswerts herangezogen werden. Mittels der Analogiemethode wird ein Vergleich zwischen dem beobachtbaren Preis für ein Vergleichsobjekt und dem gesuchten Wert des zu bewertenden immateriellen Vermögenswerts angestellt.

Kapitalwertorientiertes Verfahren

Dem kapitalwertorientierten Verfahren liegt die Annahme zugrunde, dass sich der Wert eines immateriellen Vermögenswerts aus dessen Eigenschaft ergibt, künftige Erfolgsbeiträge in Form von Cashflows zu erwirtschaften.

Der Wert eines Vermögenswerts ergibt sich aus der Summe der Barwerte der künftig erzielbaren Cashflows zum Bewertungsstichtag, die aus der Nutzung des immateriellen Vermögenswerts während der erwarteten wirtschaftlichen Nutzungsdauer und ggf. aus dem Abgang generiert werden. Als zentrale Aufgaben der Bewertung ergeben sich somit die Prognose der bewertungsrelevanten Cashflows sowie die Ableitung des das Risiko des betreffenden immateriellen Vermögenswerts widerspiegelnden Kapitalisierungszinssatzes/Kapitalkostensatzes.

Je nach Bewertungsaufgabe werden die Cashflows unmittelbar ermittelt oder es wird unterstellt, dass Lizenzentgelte erspart bleiben oder durch das immaterielle Wirtschaftsgut ein Mehrgewinn erzielt wird.

Kostenorientiertes Verfahren

Dieses Verfahren zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte umfasst die Reproduktionskostenmethode und die Wiederbeschaffungskostenmethode.

Bei Anwendung des kostenorientierten Verfahrens kann auf Kosten abgestellt werden, die notwendig sind, um ein exaktes Duplikat des Vermögenswerts herzustellen (Reproduktionskostenmethode).

Alternativ ist es möglich, die Kosten für die Herstellung oder Beschaffung eines nutzenäquivalenten Vermögenswerts heranzuziehen (Wiederbeschaffungs-kostenmethode). Gegebenenfalls sind Abschläge zur Berücksichtigung wirtschaftlicher, technischer und funktionaler Veralterung vorzunehmen.

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Ihr Ansprechpartner zum Thema Unternehmensbewertung immaterieller vermögenswerte: WP/StB Peter Unkelbach

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