Entwicklung der Bewertungsmethoden

Die Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen umschließt auch die Bewertung von gleichgelagerten Einrichtungen im Gesundheitsweisen. Bei der Vielzahl der ärztlichen Praxen liegt es nahe, dass sich die Bundesärztekammer dieses Themas angenommen hat. Die erste Stellungnahme der Kammer erfolgte im Deutschen Ärzteblatt am 2. 4. 1987 „Bundesärztekammer-Methode von 1987“. Eine Überarbeitung erfolgte mit „Hinweise zur Bewertung von Arztpraxen“ vom 9. 9. 2008. Im BGH-Urteil vom 6. 2. 2008 (Tierarzturteil) wurde die Notwendigkeit festgestellt, bei der Praxisbewertung einen angemessenen Arztlohn anzusetzen. Einfluss hat auch das vereinfachte Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. BewG genommen, das ab dem 1. 1. 2009 für Bewertungen für Schenkung- und Erbschaftszwecke maßgebend ist. Zum 1. 1. 2009 wurde auch das Regelleistungsvolumen eingeführt, so dass der Vergangenheitsbezug von Bewertungsmethoden fraglich ist. Zukunftsorientiert ist immer gewesen das IDW-Verfahren S1, das auch auf die Bewertung von kleineren und mittleren Unternehmen, zu denen auch die Praxen im medizinischen Bereich gehören, eingeht. Das Hauptproblem der Praxisbewertung liegt wie auch bei anderen Unternehmen darin, dass es gilt, die ohne den Managementfaktor übertragbare Ertragskraft zu ermitteln. Bei Arztpraxen wird der Ertrag aber im Wesentlichen durch den Arzt bzw. seine individuelle Leistung bestimmt. Isoliert man diese individuelle Leistung verbleiben in der Regel zur Bewertung nur das Inventar und die sich schnell verflüchtigende Bindung an die Praxis. Bei zunehmender Größe der Praxis wird die Bewertung einfacher, da das personalistisch geführte Unternehmen in ein institutionell geführtes Unternehmen mutiert. Im Folgenden werden die skizzierten Entwicklungsstufen kurz erläutert. Bei der Wahl der Bewertungsmethode ist stets der Bewertungszweck zu beachten wie beispielsweise Verkauf oder Zugewinnausgleich. Im Folgenden wird, wenn keine anderen Hinweise gegeben werden, regelmäßig vom Veräußerungsfall ausgegangen.

Bewertung gem. „Richtlinie zur Bewertung von Arztpraxen von 1987“

Zur Darstellung der Methode verweisen wir auf den Text der Richtlinie. “Richtlinie zur Bewertung von Arztpraxen

Der Praxiswert setzt sich zusammen aus dem Substanzwert der Praxiseinrichtung und dem ideellen Wert, wobei sich dieser nach der Formel ermittelt: (Durchschnittsumsatz der Vergangenheit abzüglich Arztlohn) geteilt durch 3.

Die Kritik an dem Bewertungsansatz basiert auf folgenden Vorbehalten:

  • Vergangenheits- statt Zukunftsorientierung,
  • Umsatz- statt Gewinnorientierung,
  • Divisor mit der Zahl 3.

Die Bewertungsprobleme sind wie sich unten bei den aktuelleren Methoden zeigt transparenter gemacht worden, aber nicht gelöst. Dieses hängt mit dem Grundproblem der Praxisbewertung, der Personenbezogenheit, zusammen.

Bewertung gem. „Bewertung gemäß „Hinweise zur Bewertung von Arztpraxen“ vom 9. 9. 2008“

Die Bewertungshinweise sind hier wiedergegeben. “Richtlinie zur Bewertung von Arztpraxen

Nach dem neuen Bewertungsstandard der Ärztekammer ermittelt sich:

Gesamtwert der Praxis gleich Substanzwert (direkte Ermittlung) zuzüglich Praxiswert (indirekte Ermittlung über zeitlich begrenzte Abdiskontierung der Gewinne).

Der Substanzwert wird nach der Ärztekammer wie folgt bewertet: „Der Substanzwert einer Praxis ist gesondert festzustellen. Basis für die Ermittlung sind das Anlageverzeichnis aus der Gewinn- und Verlustrechnung oder die Bilanz der jeweils zu bewertenden Arztpraxis und die darin aufgeführten Güter mit ihren Anschaffungs-und Herstellungskosten, z. B. Praxiseinrichtung einschließlich der medizinisch technischen Geräte, EDV, Büroausstattung, Vorräte der Praxis (Sprechstundenbedarf) sowie ggf. Ein- und Umbauten.

Der ideelle Wert der Praxis wird wie folgt ermittelt: Übertragbarer Umsatz abzgl. übertragbare Kosten abzgl. alternatives Arztgehalt gleich nachhaltig erzielbarer Gewinn mal Prognosemultiplikator von 2. Bei den Kostengrößen stellt man auch auf den Durchschnitt der letzten drei Jahre ab.

Der problematische Teil dieses schlüssigen Bewertungsansatzes ist der Prognosemultiplikator für den nachhaltig erzielbaren Gewinn vor Steuern (Tz. 5 der Hinweise). Dieser beträgt für Einzelpraxen 2 Jahre. Erfahrungsgemäß endet die Patientenbindung zu dem Praxisinhaber mit dessen Ausscheiden, wodurch sich der ideelle Wert in kurzer Zeit verflüchtigt. Der Prognosemultiplikator entspricht in der Systematik des IDW-Ertragswertverfahrens einem Kapitalisierungszinssatz von 50 % bei einer ewigen Rente. Der genannte Zinssatz ist als hoch zu bewerten, so dass die Bewertungsformel wirtschaftlich eine zeitlich begrenzte Übergewinnkapitalisierung ausdrückt, der eine Normalverzinsung der Substanz umfasst („Übergewinn“).

Dieses Verfahren korrespondiert mit dem zu berücksichtigenden IDW-Standard S 1, der aber auf einer zeitlich unbegrenzten Gewinnkapitalisierung des Normalgewinns basiert. Zu beachten ist hierbei, dass nach diesem IDW-Standard sich der Praxiswert analog wie folgt ermittelt:

Gesamtwert (= Ertragswert, indirekte Ermittlung) abzüglich Substanzwert (direkte Ermittlung) gleich Praxiswert

Durch die geforderte Übertragbarkeit der Umsatz- und Kostengrößen wird auf eine Zukunftsorientierung Bezug genommen.

Die Ableitung des Diskontierungssatzes bleibt aber wie bei dem älteren Verfahren offen.

Der von der Rechtsprechung geforderten Berücksichtigung des Arztlohnes wird aber bei beiden Verfahren der Ärztekammer entsprochen.

Bewertung mit dem vereinfachten Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. BewG

Der voraussichtlich zukünftig nachhaltig zu erzielende Jahresertrag wird aus den in der Vergangenheit tatsächlich erzielten Jahreserträgen abgeleitet, ohne dass Unternehmensplanungen erstellt werden. Regelmäßig ist dabei von den Ergebnissen der letzten drei abgelaufenen Wirtschaftsjahre auszugehen. Das Ergebnis des laufenden Jahres kann ebenfalls herangezogen werden, wenn dieses für die Herleitung der Zukunftswerte von Bedeutung ist. Im Gegensatz zum bisherigenStuttgarter Verfahren werden die einzelnen Jahre nicht unterschiedlich gewichtet.

Ist der so korrigierte Ausgangswert positiv, wird hiervon eine fiktive Steuerbelastung von 30 Prozent abgezogen. Dieser Wert stellt das korrigierte Betriebsergebnis dar. Der Durchschnitt der korrigierten Betriebsergebnisse der letzten drei Jahre ist der maßgebliche Jahresertrag für die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens.

Für die Bestimmung des Kapitalisierungsfaktors ist zunächst der Kapitalisierungszinssatz zu ermitteln. Dieser setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Variabler Basiszinssatz für risikolose Anleihen und pauschaler Risikozuschlag von 4,5 Prozent.

Das Bundesfinanzministerium hat Anfang Januar den aktuellen Basiszinssatz für das vereinfachte Ertragswertverfahren veröffentlicht. Der Zinssatz wurde von der Deutschen Bundesbank auf 2,04 Prozent festgelegt und gilt für alle Bewertungsstichtage im Jahr 2013.

Der Basiszinssatz ist maßgeblich für die Berechnung des Kapitalisierungsfaktors, der im Rahmen des vereinfachten Ertragswertverfahrens Anwendung findet. Er wird aus der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen abgeleitet und von der Deutschen Bundesbank anhand der Zinsstrukturdaten jeweils zum ersten Börsentag des Jahres ermittelt und vom Bundesministerium der Finanzen veröffentlicht.

Der Basiszinssatz für das vereinfachte Ertragswertverfahren wurde für die Vorjahre wie folgt festgelegt:

  • 2013: 2,04 Prozent

  • 2012: 2,44 Prozent

  • 2011: 3,43 Prozent

  • 2010: 3,98 Prozent

  • 2009: 3,61 Prozent

  • 2008: 4,58 Prozent

  • 2007: 4,02 Prozent

Für 2013 ergibt sich insgesamt ein Kapitalisierungszinssatz von 6,54 %, was einem Multiplikator für den Jahresertrag von 15,29 entspricht. Aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB ist dieser Faktor viel zu hoch und spiegelt insbesondere nicht das betriebliche Risiko wieder. Der Multiplikator besagt, dass dem Verkäufer im Preis das Unternehmensergebnis für gut 15 Jahre zu vergüten ist.

Bewertung nach dem IDW-Verfahren S 1

Vorbemerkungen

Dieses Verfahren ist oben allgemein beschrieben. Es berücksichtigt ausschließlich Erträge, die sich aus einer Zukunftsbetrachtung ergeben und diskontiert diese mit einem risikoadäquaten Zinssatz ab. Die sich ergebenden Unternehmenswerte sind regelmäßig niedriger als nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren.

Im Juni 2012 hat sich das IDW mit der Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie personenbezogenen Praxen befasst vor dem Hintergrund der Frage, ob das Ertragswertverfahren auch für diese kleinen Unternehmen zielführend ist. Im Folgenden werden einige Aspekte der Diskussion wiedergegeben.

Managementfaktoren

Bei personenbezogenen Unternehmen, also Praxen und andere KMU, ist die Ertragskraft in besonderem Maße von den Eigentümern geprägt. Zur Ermittlung der dem Unternehmen innewohnenden bzw. übertragbaren Ertragskraft ist deshalb regelmäßig der Einfluss der Eigentümer auf die Ertragskraft zu analysieren. Soweit der unternehmerische Erfolg von der persönlichen Tätigkeit des Eigentümers oder von Personen aus seinem persönlichen Umfeld abhängt oder diese Tätigkeit nicht marktgerecht vergütet wird, kann eine Anpassung der Ertragsplanung notwendig sein. Als Anpassungen können z.B. in Betracht kommen:

Eliminierung von positiven und negativen Erfolgsbeiträgen, die losgelöst vom bisherigen Eigentümer nicht realisiert werden können. Beispielsweise können hierzu gehören: besondere Beziehungen zu Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern oder sonstige Beziehungen personeller oder familiärer Art, Spezialistenwissen oder eine besondere Eigenschaft des Eigentümers wie Kreativität.

Für ganz oder teilweise (unentgeltlich) mitarbeitende Eigentümer bzw. nahestehende Personen ist bei der Ermittlung objektivierter Unternehmenswerte eine marktübliche Vergütung anzusetzen. Bei der Bemessung des Unternehmerlohns sind die Unterschiede der Leitungsverantwortung gegenüber einer Vergütung für Angestellte zu berücksichtigen. Hierzu kann neben internen Betriebsvergleichen insb. auf statistische Untersuchungen von Branchenverbänden oder Veröffentlichungen in Fachzeitschriften abgestellt werden. Auf den Ansatz von kalkulatorischen Vergütungen kann auch dann nicht verzichtet werden, wenn sich hierdurch negative finanzielle Überschüsse ergeben.

Die steuerrechtliche Qualifizierung der Tätigkeitsvergütung ist bei der Bemessung von Gewerbe- und Einkommensteuer im Bewertungskalkül unter Berücksichtigung des Bewertungsanlasses und der vorgenommenen Typisierungen anlassbezogen zu berücksichtigen. Bei der Ermittlung objektivierter Unternehmenswerte ist aufgrund der Fiktion des Fremdgeschäftsführers die Tätigkeitsvergütung im Regelfall steuerlich wie die Vergütung eines nicht am Unternehmen Beteiligten zu behandeln.

Die Abhängigkeit des Unternehmens von den Einflüssen der Eigentümer kann dazu führen, dass die Fortführung der Unternehmung ohne das bisher vorhandene Management nicht möglich erscheint, weil die bisherige Unternehmensleitung zukünftig nicht mehr zur Verfügung steht. Die Bereinigung von Erfolgsbeiträgen und/oder die Berücksichtigung von kalkulatorischen Vergütungen können dazu führen, dass der Zukunftserfolgswert des Unternehmens unterhalb des Liquidationswerts liegt oder sogar negativ ist. In diesen Fällen ist i.d.R. davon auszugehen, dass der Unternehmenswert dem Liquidationswert entspricht.

Kapitalisierungszinssatz

Bei der Ermittlung eines objektivierten Unternehmenswerts ist – auch bei der Bewertung von KMU –typisierend auf Renditen eines Bündels von am Kapitalmarkt notierten Unternehmensanteilen (Aktienportfolio) als Ausgangsgröße abzustellen. Die am Kapitalmarkt beobachtbaren Risikoprämien sind für die Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes geeignete Ausgangsgrößen, die an die Besonderheiten des Bewertungsfalls anzupassen sind. Eine marktgestützte Ermittlung des Risikozuschlags kann – auch bei der Bewertung von KMU – insb. auf der Basis des Capital Asset Pricing Model (CAPM) oder des Tax- Capital Asset Pricing Model (Tax-CAPM) vorgenommen werden. Die Berücksichtigung kapitalmarkttheoretisch nicht nachvollziehbarer Risikozuschläge ist für die Ermittlung objektivierter Unternehmenswerte nicht sachgerecht. Bei fehlender Börsennotierung des Bewertungsobjekts kann zur Ableitung des operativen Geschäftsrisikos der Beta-Faktor aus einer Gruppe von Vergleichsunternehmen (Peer Group) ermittelt werden. In die Peer Group sollten vornehmlich Unternehmen einbezogen werden, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen mit dem des zu bewertenden Unternehmens übereinstimmt. Hilfsweise können Unternehmen einbezogen werden, deren Geschäftsmodell durch vergleich- bare Risikofaktoren beeinflusst wird; dies sind insb. Unternehmen vor- odernachgelagerter Wertschöpfungsstufen.

Sofern das Risikoprofil des Bewertungsobjekts mittels der Beta-Faktoren von Peer-Group- Unternehmen nicht angemessen erfasst werden kann, können gutachterliche Anpassungen des unternehmensspezifischen Risikozuschlags erforderlich sein. Die konkrete Höhe des Risikozu- schlags wird in der Praxis zumeist nur mithilfe von vereinfachenden Annahmen festzulegen sein. Jeder Bewertungsfall verlangt seine eigene fachgerechte Problemlösung.

Zuschläge beim Kapitalisierungszinsfuß wegen geringer Unternehmensgröße

In der anglo-amerikanischen Bewertungspraxis werden die Risikozuschläge beim Kapitalisierungszinssatz regelmäßig um sog. „Size Premiums“ erhöht. Diese Risikozuschläge werden mit empirischen Untersuchungengerechtfertigt, die Zusammenhänge zwischen den geforderten Eigenkapitalkosten und der Unternehmensgröße aufzeigen sollen. Die Validität dieser Ansätze ist umstritten. Entsprechende Untersuchungen für den deutschen Kapitalmarkt lassen ferner die Übertragbarkeit der Ergebnisse der ausländischen Studien fraglich erscheinen. Da auch die theoretische Einbindung von „Size Premiums“ in die Kapitalmarktpreisbildungsmodelle nicht überzeugt, ist insgesamt die Anwendung derartiger Risikozuschläge abzulehnen.

Zuschläge beim Kapitalisierungszinsfuß wegen fehlenden Marktes bzw. geringer Liquidität des Marktes

Im Vergleich zu den börsennotierten (Peer-Group-)Unternehmen wird in Theorie und Praxis z.T. gefordert, die geringere Fungibilität (bzw. Liquidität) bei der Bewertung von nicht börsennotierten Unternehmen wertmindernd zu berücksichtigen.

Dabei ist zu unterscheiden zwischen einer objektivierten Bewertung des Unternehmens einerseits und Preisfindungsmechanismen für Unternehmensanteile andererseits. Liquidität stellt im Rahmen der objektivierten Bewertung eines Unternehmens keinen Werteinflussfaktor dar. Im Rahmen einer solchen objektivierten Bewertung dürfen daher nicht die konkreten, z.B. durch einen Eigentümerwechsel ausgelösten Transaktionskosten durch einen pauschalen Abschlag wertmindernd berücksichtigt werden. Eine Berücksichtigung solcher Transaktionskosten kann jedoch im Rahmen von subjektiven Bewertungen von Unternehmensanteilen erfolgen, wenn Anhaltspunkte für einen Verkauf der Anteile bestehen.

Multiplikatorverfahren und andere vereinfachte Preisfindungen

Die Bewertung von freiberuflichen Praxen erfolgt häufig durch die Anwendung von Multiplikatorverfahren. In IDW S 1 i.d.F. 2008 wird klargestellt, dass es sich bei diesen Verfahren um vereinfachte Preisfindungsverfahren handelt. Aufgrund des allgemeingültigen Bewertungsansatzes des IDW S 1 i.d.F. 2008 kann auch die Bewertung von freiberuflichen Praxen nach diesen Grundsätzen der Unternehmensbewertung erfolgen, d.h. der Wert dieser Unternehmen ergibt sich grundsätzlich aus dem Zukunftserfolgswert bzw. einem höheren Liquidationswert. Insbesondere die Anpassungen der Ertragsplanung im Zusammenhang mit dem Unternehmerlohn können dazu führen, dass der Liquidationswert den Zukunftserfolgswert übersteigt, sodass dieser maßgeblich ist.

Die Marktpreise von freiberuflichen Praxen werden oftmals weitgehend durch den Wert des übertragbaren Mandantenstamms geprägt. Wenn für die Bewertung einer freiberuflichen Praxis der Liquidationswert maßgeblich ist und neben dem Wert des verkehrsfähigen Kundenstamms kein sonstiges Vermögen und keine sonstigen Schulden in nennenswertem Umfang zu berücksichtigen sind, führt die Anwendung des relevanten Umsatzmultiplikators demnach näherungsweise zum Unternehmenswert. Zu den Besonderheiten der Berücksichtigung des Liquidationswerts bei Bewertungen im Familien- und Erbrecht vgl. IDW Stellungnahme des Hauptfachausschusses 2/1995.

Die angesprochenen branchenspezifischen Hinweise oder Richtlinien von berufsständischen Einrichtungen haben im Wesentlichen Umsatzverfahren zum Gegenstand, die den Wert eines Unternehmens oder einer Praxis aus der Umsatzrentabilität einer Normpraxis ableiten. Bei der Anwendung dieser Hinweise oder Richtlinien können bspw. aus der bewertungskonzeptbedingten Nichtberücksichtigung unterschiedlicher Kostenstrukturen zwischen der Normpraxis und dem Bewertungsobjekt Wertunterschiede zum Ertragswert- oder DCF-Verfahren resultieren.

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